Bericht aus einer HP-Prüfung...
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Bericht aus einer Prüfung...
HP-Prüfungsecke

Sie wollten schon immer mal wissen, wie so eine Prüfung abläuft...?
Lesen Sie hier...:

HP-Prüfungsprotokoll, Frühjahr 2011

Dieser Bericht ist wahr und echt.
Wir haben ihn nur ganz leicht verändert und gekürzt,
damit Unbeteiligte daraus nicht erkennbar sind.

 

    Ihr Lieben!

    Juchuuuuuuuuuuuh, ich bin durch – geschafft. Nachfolgend habe ich mal als Gedächtnisprotokoll für mich, meine Freunde und all jene, die es interessiert, den letzten Donnerstag – die Mündliche – festgehalten.

    Bis zum Wiedersehen
    meine herzlichen Grüße an euch alle.
    Die Naturopath-HP-Schule kann ich auf der ganzen Linie weiter empfehlen!

    XXX

 

Am [...] war der große Tag. Um [...] Uhr Gesundheitsamt: Termin zur Mündlichen.

Habe die Tage vorher noch mal einen Lern-Endspurt hingelegt. Gesetze, Fallkonstellationen, Basics rauf und runter. Die Schrecken sämtlicher Infektionskrankheiten waren mir allgegenwärtig: eitriges Sputum, wässrige, übel riechende Durchfälle, wahlweise erbsbreiartig oder löffelweise Johannisbeergelee, zwischendrin jede Menge Viren, Bakterien, Helmithen und Atrophoden.

In sonderbaren Selbstgesprächen habe ich mir unzählige Selbstvorträge wirren Inhalts mit abrupten Aussetzern gehalten. Man nennt das Phänomen auch Denkzerfahrenheit mit Gedankenabriss in Folge, wenn ich mich recht erinnere aus dem endogenen psychotischen Formenkreis schizophrener Art...

Mit meinem Namen war ich nach dem Alphabet eine der letzten Anwärterinnen. Kurze zeitliche Dreingaben summierten sich von vorangehenden Prüfungsopfern, so dass ich eine fette halbe Stunde warten musste. Um mir die Zeit zu vertreiben habe ich die Gelenke zusammengefasst und das Akronium dem Supraspinatus zugeordnet und kombiniert, dass beim Steinmann 1, wenn sich die Außenrotation zur Diagnose vom Innenmeniskus eignet, die Innenrotation den Außenmeniskus betreffen muss ((-:

Schließlich hat mich der Amtsarzt vom Wartesaal abgeholt und ich habe forsch gewitzelt, dass ich einverstanden wäre, wenn nur 10 min. geprüft würde. Er hat dann aber korrekt auch bei mir den Wecker auf eine halbe Stunde gestellt.

Bis die Schreiberin mit der Datensicherung des Prüfungsprotokolls der Vorgängerin fertig wäre, sollte ich schon mal über mein Praxisvorhaben und Therapieansätze erzählen. Ich sagte, dass ich mich da noch nicht festgelegt hätte. Brav versicherte ich, dass ich aber bereits Kurse diesbezüglich bei der NATUROPATH-HP-Schule ins Auge gefasst hätte. Darauf war dann auch die Tonspeicherung für mich in Aktion und der Amtsarzt meinte unbeirrt, dass ich als angehende Heilpraktikerin aber doch sicherlich die Grundpfeiler der Naturheilkunde kennen würde und mal ein paar benennen sollte.

Glücklicherweise hatte ich vorher noch den Tipp aufgeschnappt, dass so was in der Richtung kommen könnte und schwadronierte schlau-dreist über die Homöopathie, die klassische im speziellen. Worauf prompt die Frage kam, was es denn da für Unterschiede gäbe: Auch hierfür gerüstet, grenzte ich tapfer die klassische von der klinischen ab und dass ich gemeinsam mit meinem Patienten in der Anamnese aufgrund der erworbenen, ererbten psychischen u. physischen Merkmale den Konstitutionstyp erarbeiten und darauf abgestimmt das entsprechende Konstitutions-Mittel auswählen würde, während in der klinischen Homöopathie das organotrophe Medikament auf ein akutes Leiden gerichtet werde und war erleichtert, als er nicht weiter insistierte.

Statt dessen sollte ich nun weitere generelle Methoden der Naturmedizin benennen. Also ruderte ich weiter zwischen Ausleitungsverfahren, den Blutegeln mit Eglin und Hirudin und dem Hydrocolon und dem Baunscheidtieren. Da nickte der Mann immerzu verständig mit dem Kopf und wollte wissen, was denn aber das aller Naheliegendste der Naturmedizin überhaupt sei. Darauf glotze ich blöde und eierte noch ein wenig mit der Darmsanierung und dem so nötigen Immuntranining der B-Lymphos durch eine physiologische Keimbesiedelung herum; das stimmte ihn aber nicht gänzlich zufrieden und er hakte nach, was man denn so finden würde, draußen ... und dann hatte ich's auch endlich begriffen. Was er hören wollte, waren ganz einfach die Kräutlein und Blättlein, die am Busen der Natur ranken. Zur Schadensbegrenzung benannte ich gleich auf schlaudeutsch die Phytotherapie.

Als ich mit deren segensreichen Vorzügen ansetzen wollte, um Zeit zu schinden, winkte er aber auch schon leider ab und gab die Frage an die beisitzende Frau Heilpraktikerin ab, die wissen wollte, was denn die Naturmedizin bieten könne, was der Patient nicht auch in der Schulmedizin erhält. Obacht Falle, jetzt galt es keinen der beiden zu verärgern. Also berichtete ich von meinem Vater als Pankreaskopfcarzinoim-Patient, der die palliativen Angebote und die Schmerzbegleitung der Schulmedizin sehr schätze, bei dem komplementär die Naturmedizin jedoch die Patientenautonomie sowie die Mitgestaltung an der Therapie unterstütze und ihm damit das Gefühl des "Ausgeliefertseins" nahm.

Damit zufrieden gab sie gnädig wieder an den Herrn Doktor ab und dieser fragte listig, wenn ich morgen meinen ersten Patienten in der Praxis begrüße, was ich denn mit dem so anstellen würde. Da lernt man diese ganzen kleinlichen Details, von wegen, wie das Vas afferent auf die Glomerolumschlingen in der Bowmannschekapsel trifft und dass Chymothrpysinogen durch eine Abflusstörung die Autolyse im Pankreas einläutet und dann kommt so ein Allerweltszeugs – Sylvie lässt grüßen...

Also Anamnese, IPPAF und dann schon wieder so ‘ne leidige Zwischenfrage. Er wollte gerne konkret Begriffe hören wie: Befunderhebung, Erstdiagnose, Differentialdiagnose und Arbeitsdiagnose. Mit der freundlichen Unterstützung und geduldigem Insistieren habe ich das einigermaßen zusammengeholpert. Gefreut scheint ihn zu haben, dass ich die Aufklärung und Dokumentation und Sorgfalt eingeworfen hatte und er deshalb danach nicht gesondert zu fragen brauchte.

Ich sollte dann anhand eines Beispiels die Differentialdiagnose erklären. Da ich wusste, dass er gerne in der Psychoecke stöbert, führte ich die Kinder an, die mit einem vermeintlich senilen Elternteil in die Praxis kommen, ich aber dennoch sicherstellen möchte, dass es sich um kein akutes Geschehen handelt, dass bei chronisch progredienten Verläufen z. B. auch eine endokrine Dysfunktion i. S. einer Hypothyreose auszuschließen ist, ebenso wie eine Sickerblutung nach einem vielleicht nicht erinnerlichen Trauma oder ganz einfach eine Exsikkose. Der Nachweis von Acetylcholinmangel, Hirnatrophie und vergößerte Liqorräum bei Morbus Alzheimer ließe sich in einer Naturheilpraxis jedoch schwerlich erbringen. Bildgebende Verfahren hält die Schulmedizin bereit.

Das schien genügt zu haben und war wohl die Steilvorlage für die Frage, was denn das Bewusstsein wäre. Nachdem ich so schön im Schwung war, auch hier wieder eine jähe Unterbrechung und neue Standortbestimmung. Um die Überrumpelung nicht all zu deutlich spüren zu lassen, zuckte der Hypothalamus als Tor zum Bewusstsein in meinem Hirn und mein Mund formte diesen Reiz zu Worten. Das war schon mal die Spur – Was denn Einschränkungen des Bewusstseins seien, das lief ganz flüssig, zäher wurde es dann, als die Gefahr des Komas angesprochen wurde. Hören wollte er das Fehlen der Schutzreflexe. Auf diese Antwort hatte er mich freundlicherweise draufgelupft.

Alsdann wurde mir eine Frage aus einer vergangenen Prüfung vorgelegt: Nachdem Frau u. Kind eines Patienten bei Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind, ist welche Diagnose nach einem halben Jahr die Wahrscheinlichste, wenn vorher keine psychischen Auffälligkeiten bestanden: Schizophrenie, Depression im Zuge einer bipolaren Störung, Posttraumatische Belastungsstörung oder Sickerblutung. Prima-vista-Diagnose mit folgender differenzialdiagnostischer Abgrenzung. Das ging auch ganz flüssig.

Dann die Hygiene. Er hat wohl gemerkt, dass ich mit großer Routine antwortete und wechselte gleich zum nächsten Thema. Schade – wenn man will, dass nachgefragt wird, sollte man zu Beginn lieber ein bissel unsicher tun...

Der Abschluss war ein Bildausschnitt oder eher eine wirr anmutende Skizze, wo ich mir dann auch nicht die Bemerkung verkneifen konnte, dass es sich hier wohl um ein Schnittmuster aus der neuen Frühjahrskollektion der Burda handelt, was die Herrschaften wohl ganz lustig fanden. Mein erster Eindruck eines in allerlei Strukturen verpackten Wirbelkörpers war richtig, die weitere vage Zuordnung von Dorn- Querfortsätzen, Wirbel-loch u. -körper etc. nicht so rühmlich, wo ich doch einräumen musste, auch nicht im Stande zu sein, eine Straßenkarte richtig herum zu halten. Da er wohl Freude an meinem Rätselraten hatte, legte er mir trotz des Weckerschellens spaßeshalber noch sein "schwerstes Bild" vor: Ein verschwommenes Photo in Vergrößerung – aber da ich darauf schemenhaft eine Art Hammer, Amboss u. Steigbügel identifizierte, konnte ich mich weiteren männlichen Spotts entziehen.

Zur Beratung wurde ich alsdann nach draußen geschickt und habe dort ziemlich emotionslos gewartet. Dann durfte ich wieder eintreten. Auf die Frage, was ich für eine Eindruck hätte, beschränkte ich mich auf den persönlich netten Eindruck der anwesenden Menschen auf mich und überließ eine weitere Wertung dem Doktore. Der grinste und äußerte, man hätte mir angemerkt, ich wüsste, wovon ich spreche, und einer Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde stünde nichts entgegen. Es folgten Gratulationen und gebleckte Zähne inmitten lächelnder Münder.

Darauf zog ich mit zittrig erregten Händen – dem neuronal euphorischem Erregungstremor – zwei Piccolos für die Damen und einen Flachmann für den Herrn Doktor aus der Tasche und überreichte diese. Mit freudigem Hallo wurden die Spirituosen entgegen genommen. Auf die Frage, ob ich denn vom Bestehen ausgegangen wäre, antwortete ich devot, dass ich die Flaschen selbst geleert hätte, wenn ich durchgefallen wäre. Wir gingen ausgesprochen heiter auseinander.

Die Prüfungsatmosphäre war sehr freundlich und zugewandt. Noch im Treppenhaus des Gesundheitsamtes konnte ich Freudenjuchzer und Bocksprünge nicht unterdrücken. Als ich dann durch die frühlingshafte Stadt schwebte, kannte meine Freude keine Grenzen mehr. Allein für dieses irre Gefühl nach der Prüfung hat sich die Plackerei des Lernens gelohnt.

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